Weingärten sind Ökosysteme. Dieser banale Satz erfordert vom Winzer viel Einsatz und Wissen von den Bearbeitungs- und Pflegemaßnahmen, die auf die Lebensgemeinschaft "Weingarten" einwirken. Ziel der Pflegemaßnahmen muß die Erhaltung einer hohen Artenvielfalt sein, um die natürliche Regulationsmechanismen nützen zu können, aber trotzdem eine ausreichende Produktion zu sichern.
Der Winzer versucht den Schädlingsmöglickeiten durch vorbeugende Maßnahmen (richtige Sortenwahl, schonende Bodenpflege u.a.), mechanische Verfahren (z.B.:Schutzgitter), biologische Verfahren (Schonung und Förderung von Nützlingen, Einbürgerung von Nützlingen, Einsatz biologischer Spritzmittel), biotechnischer Maßnahmen (Einsatz von Phermonen-Fallen, Feststellung der Flugzeiten von Schadinsekten, Veredelung der Reben auf reblausresistenten Unterlagen) und chemische Verfahren entgegenzuwirken, um eine wirtschaftliche Qualitätstraubenproduktion zu erreichen. Diese Kombinationen werden als "integrierter Pflanzenschutz" bezeichnet.
Die Peronospora ist eine gefährliche Pilzkrankeit der
Rebe, die alle grünen Teile des Rebstockes befallen kann. Die Blätter
vertrocknen und der Pilzbefall führt schließlich zu einem völligen
Laubverlust am Stock. Gleichzeitig verursacht der Pilz die Bildung
eingeschrumpfter, kleiner Beeren (Lederbeeren). Die Schädlinge treten
besonders in feuchten Jahren auf.
Eine vorbeugende Bekämpfung des Pilzes erfolgt durch die Erziehung
einer lockeren, luftigen Laubwand, da diese rasch abtrocknet. Zur Bekämpfung
werden, früher die aggressive Kupfervitriol-Kalkbrühe, organische
Fungizide eingesetzt. Durch spezielle Peronospora-Warngeräten kann die
Anzahl der Fungizidbehandlung reduziert werden.
Der Pilz überzieht Blätter, Beeren und Triebspitzen
mit einem grauem Schimmel. Besonders in trockenen Jahren und bei
empfindlichen Rebsorten können starke Beerenschädigungen eintreten.
Die Beeren verdorren. Schon ein leichter Befall der Beeren kann eine
geruchliche Beeinträchtigung des Weines (Muffton) herbeiführen.
Bekämpft wird diese Krankheit entweder mit Schwefel oder speziellen
Fungiziden.
Fluch oder Segen. Ein früher Befall führt bei
jungen, unreifen Beeren zur gefürchteten Sauerfäule. Die Beeren verfärben
sich grau bis rot-braun, beginnen zu faulen und werden von einem
Schimmelbelag überzogen. Befällt der Pilz die Traubenstiele oder das
Traubengerüst, kommt es zur Stielfäule. Die ganze Traube welkt und die
Trauben fallen oft schon vor der Reife ab.
Erfolgt die Infektion bei nicht zu feuchter Herbstwitterung erst im
Stadium der Vollreife der Beeren, so "durchlöchert" der Pilz
die Beerenhaut. Dadurch kann das Wasser in den Beeren besser verdunsten
und die Beeren rosinenartig ein. Der Zuckergehalt wird stark
konzentriert. Mit Hilfe dieser Edelfäule werden vom Winzer hochwertige
Prädikatsweine wie Beerenauslese, Ausbruch oder Trockenbeerauslese
erzeugt.
Die Botrytis läßt sich im allgemeinen nur vorbeugend bekämpfen, in
dem man die Belüftung der Trauben durch entsprechenden Laubarbeit
verbessert und den Einsatz von Stickstoffdünger begrenzt.
Diese Krankheit tritt meist nur in flachgründigen,
steinigen und trockenen Hanglagen auf. Durch den Befall werden die
Hauptadern der Blätter verstopft, wodurch die Blätter anfänglich
gelbbraune (Weißweinsorten) bzw. rubinrote (Rotweinsorten) Flecken
bekommen und später verdorren. Schließlich fallen die Blätter ab,
wodurch keine Assimilation mehr stattfindet und die Beeren in ihrer
Reifeentwicklung gehemmt sind.
Der Rote Brenner wird meist mit den gleichen Fungiziden bekämpft wie
die Peronospora.
Von den Winzern werden die Raupen des Traubenwicklers
in der ersten Generation (Mai/Juni) Heuwurm und in der zweiten
Generation (Juli/August) Sauerwurm genannt. Eine Bekämpfung des
Heuwurms ist im allgemeinen nicht notwendig, außer wo ein starker
Befall zu verzeichnen ist.
Wesentlich gefährlicher ist der Sauerwurm. Diese Raupen verletzen die
noch unreifen Beeren und ermöglichen dadurch einen Befall durch den
Botrytis-Pilz. Bei feuchtem Wetter und starkem Raupenauftreten kann der
Traubenertrag erheblich vermindert werden, zumindest bewirkt ein Befall
eine starke Qualitätsminderung. Der richtige Spritztermin mit
entsprechenden Insektiziden wird durch eine sorgfältige Beobachtung des
Mottenfluges bestimmt. Dabei wird der Höhepunkt des
Traubenwicklerfluges und damit der optimale Bekämpfungstermin mittel
sogenannter Sexualduftstoffe-Fallen ((Phermonen-Falle) festgestellt. Zu
diesem Zweck wird alle zwei bis drei Tage die Anzahl der in den Fallen
gefangenen Falter registriert und auf diese Weise ermittelt, zu welchen
Zeitpunkt die intensivste Mottenflug stattfindet.
Er tritt bis Juni auf und bewirkt Knospenfraß oder Lochfraß an jungen Blättern. Er legt seine Eier an das Blatt und wickelt das Ei zigarrenförmig ein. Dieser Wickel fällt später zu Boden und dient der geschlüpften Larve als Nahrung. Nur bei massiven Auftreten ist eine chemische Bekämpfung notwendig.
Unter den Schädlingmilben ist die Rote Spinne am
weitesten verbreitet. Sie leben auf der Unterseite der Blätter und ihre
Larven saugen an den Blättern. Diese Saugtätigkeit beeinträchtigt die
Assimilationsleistung der Blätter stark, schädigt so den Rebstock und
führt zu Blattzerstörung, Wuchshemmung, geringerem Traubenansatz,
Reifeverzögerung und damit zu geringeren Mostgewicht. Durch die starke
Vermehrungsfähigkeit können die Milben zu einem Massenbefall in den
Weingärten führen.
Die Bekämpfung erfolgt im zunehmenden Maße biologisch durch Einsatz
von Raubmilben, die den Schädling aussaugen und sich derart ernähren,
ohne daß dabei eine Schädigung der Rebstöcke eintritt. Sind die
Raubmilben nicht vorhanden, werden sie bewußt "eingebürgert".
Nach einiger Zeit stellt sich eine Gleichgewicht ein und eine Bekämpfung
mit chemischen Pflanzenschutzmitteln ist kaum mehr erforderlich.
Diese nur 0,15 mm großen Milben bewirken durch ihre Einstiche und Saugtätigkeit ein Zurückbleiben der Triebe nach dem Austrieb. Es entstehen Kümmertriebe. Die Blätter stellen an den Einstichstellen das Wachstum ein, daß übrige Blatt wächst weiter, so daß typische Blattzereißungen entstehen. Die Assimilationsfläche wird vermindert. Bei mehrjährigen Befall sterben die Stöcke ab. Die Bekämpfung erfolgt zum Winterausgang durch gründliche Stockwaschung mit Austriebsspritzmittel oder Netzschwefel.
Die Reblaus (Viteus vitifoliae) ist eine Pflanzenlaus aus der Familie der Zwergläuse (Phylloxeridae). Sie ist ein bedeutender Schädling im Weinbau.
Auf Grund unterschiedlicher Verhaltensweisen gegenüber den Weinreben vermutet man, dass es verschiedene Arten der Reblaus gibt. Der für seine Forschung an der Reblaus berühmte Wissenschaftler Carl Börner zum Beispiel unterschied zwischen einer weniger gefährlichen langrüssligen und einer schädlicheren kurzrüssligen Reblausart.
Die Reblaus ist bei uns durch Aufpropfen auf amerikanischen Unterlagsreben ausgestorben.
Die Grüne Rebzikade ist ein Insekt, das ausschließlich aus den Stoffleitungsbahnen saugt und Verstopfungen verursacht.
Zikadenschäden können mit Mangelerkrankungen (Kali-, Magnesiummangel) mit Trockenschäden oder mit der virös bedingten Blattrollkrankheit verwechselt werden.
Der ausgestorben geglaubte Schädling ist in den letzten Jahren wieder vermehrt aufgetreten:
Schädling bedroht den Weinbau (orf.at)
Rebzikade bedroht steirischen Wein (steiermark.orf.at)